Interreligiöser Gottesdienst erinnert an Elisabeth von Thadden – Friedenskirche gut besucht

veröffentlicht 01.02.2026, KG Frücht

In der Friedenskirche Friedrichsegen fand am 25. Januar um 15.00 Uhr ein bewegender Gottesdienst zum Holocaust-Gedenken statt. Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde gestalteten die Gedenkfeier gemeinsam – ein deutliches Zeichen für Zusammenhalt, Verantwortung und Menschlichkeit.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Leben und Wirken von Elisabeth von Thadden (1890-1944), Reformpädagogin und Widerstandskämpferin, die von den Nationalsozialisten in der JVA Plötzensee (Berlin) hingerichtet wurde. Ihr Mut, sich dem Unrecht entgegenzustellen, wurde als Mahnung für die Gegenwart verstanden. Ein Leitsatz begleitete den gesamten Gottesdienst:

„Man muss das Richtige tun, auch wenn man damit alleine ist.“ (Elisabeth von Thadden)

Eröffnet wurde die Feier mit einem Orgelvorspiel von Hannelore Syre. Sie hatte dazu das Stück "Ma Towu" des jüdischen Komponisten Lewandowski gewählt. Nach der Begrüßung durch Ingo Fuß (Kirchenvorstand) führte Tanja Kaminski (kath.Gemeindereferentin) in das Thema ein und erinnerte daran, dass Gedenken immer auch Verantwortung für heute und morgen bedeutet. Der jüdische Mitwirkende Wolfgang Elias Dorr folgte mit Psalm und Eingangsgebet.Unter anderem wurde auch ein Satz der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer aufgegriffen: „Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig.“  

Ein besonderer Akzent des Gottesdienstes war die Mitwirkung der Realschule plus Bad Ems Nassau mit ihrem Lehrer David Schmidl.

Mit großer Ernsthaftigkeit und spürbarer innerer Beteiligung brachten Schülerinnen und Schüler eigene Beiträge ein. Darja und Alona gestalteten die Inhalte aktiv mit und setzten damit ein starkes Zeichen dafür, wie wichtig Erinnerungsarbeit gerade für junge Menschen ist.

Zu den musikalischen Elementen zählten unter anderem das Lied „Von guten Mächten“ (EG 65) sowie „Du meine Seele singe“ (EG 302). Die Schriftlesung aus der Apostelgeschichte stellte das zentrale Bibelwort in den Mittelpunkt:

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29)

In der Ansprache wurde Elisabeth von Thadden als Beispiel für Gewissen, Haltung und gelebte Menschlichkeit gewürdigt. Fürbitten, das Vaterunser – teils in aramäischer Sprache – sowie der Aaronitische Segen in hebräischer Sprache rundeten den Gottesdienst ab und gaben dem Gedenken einen würdigen Abschluss.

Der Nachmittag machte deutlich: Erinnerung ist kein Ritual der Vergangenheit, sondern eine Aufgabe in der Gegenwart – getragen von der Verantwortung, sich Ausgrenzung, Hass und Menschenfeindlichkeit entgegen zustellen.

Text: David Schmidl